Adhocracy

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Beschreibung

Adhocracy ist eine Software, die internetbasierte Beteiligungs- und Abstimmungsverfahren ermöglicht, und es so erlaubt, relevante Reformakteure und Bürger in alle Phasen der Entscheidung mit einzubinden. Kern von Adhocracy ist ein Vorschlagssystem, mit dem Vorschläge gesammelt, diskutiert und letztlich abgestimmt werden können. Innerhalb von Adhocracy können Stimmen, Vorschläge und Kommentare sowohl unter verifizierten Namen (bspw. für Stadträte), als auch unter einem Alias abgegeben werden. Ebenso ist Stimmdelegation – einmalig, dauerhaft oder themenbezogen – möglich.

Adhocracy ist eine Open-Source-Software, die durch den unabhängigen Verein Liquid Democracy e.V. entwickelt worden ist. Sie ist Grundlage der Internetseiten www.adhocracy.de und www.offenekommune.de, auf denen Bürger, aber auch verifizierte Institutionen Diskussionen anregen und Stimmungsbilder einholen können. Ebenso ist die Information über Reformen möglich.

Ziele

  • Themen vorstellen und diskutieren
  • Beteiligung ermöglichen
  • Vorschläge sammeln und bewerten
  • Themen abstimmen lassen

Vorgehen in sechs Arbeitsschritten

1. Entscheiden, ob Beteiligungsverfahren genutzt werden sollen
Zunächst müssen die zentralen Reformakteure entscheiden, ob für die angestrebte Reform ein Beteiligungsverfahren sinnvoll erscheint. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn ein transparenter Entscheidungsprozess dargestellt werden soll. Auch können so Reformgegner eingebunden und Reformbefürworter gewonnen werden. Ggf. sind bereits vorhandene Vorschläge von Interessengruppen oder anderen Stakeholdern zu berücksichtigen.

2. Art der Beteiligung festlegen
Ist die grundsätzliche Entscheidung für ein Beteiligungsverfahren getroffen worden, muss noch entschieden werden, welche Art der Beteiligung sinnvoll erscheint. Adhocracy bietet sich aufgrund der Lizenzierung für zahlreiche Reformakteure an. Allerdings sollten Nachteile einer internetbasierten Beteiligungsplattform – bspw. der Ausschluss internetferner Gruppen – bedacht werden.

3. Adhocracy für die eigenen Bedürfnisse anpassen
Online-Beteiligungsverfahren auf Basis von Adhocracy können sowohl auf den o.g. Internetseiten, als auch auf einer eigenen Plattform eingerichtet werden. Dies hängt insbesondere von der erwarteten Beteiligung und von der gewünschten Art der Darstellung und zusätzlichen Erläuterungsmöglichkeiten ab.

4. Verantwortlichkeit klären und Interessen darlegen
Im Anschluss muss sichergestellt werden, dass die Vorschläge und Ergebnisse des Beteiligungsprozesses auch in die Entscheidungsfindung eingehen. Dabei hilft, Prozesstransparenz herzustellen und einen Verantwortlichen für die Betreuung und den Dialog auf der Beteiligungsplattform zu benennen. Auch sollten die eigenen Interessen deutlich gemacht werden, um von Anfang an Vertrauen in das Beteiligungsverfahren aufzubauen.

5. Vorschläge und Abstimmungsergebnisse aufnehmen
Zuletzt muss klar werden, dass und wie die Ergebnisse des Beteiligungsverfahrens in die Entscheidungsfindung eingehen. Basiert diese „1:1“ auf den dort abgegebenen Voten, oder werden nur Teilergebnisse übernommen? Schwierig ist es, populäre Vorschläge nicht einzubeziehen. Hier bedarf es einer guten Begründung.

6. Prozess und Ergebnis publizieren
Schließlich sollte der gesamte Prozess (inkl. der relevanten Inputs) aus dem Beteiligungsverfahren sowie der anschließenden und abschließenden Entscheidungsfindung transparent gemacht werden.

Anwendung

  • Phase 2 – Agenda Setting:

    • Kompetenz: Anliegen erkennen und Trends aufgreifen; eigenes Interesse platzieren
    • Kommunikation: Themen setzen und diskutieren; Stimmungsbilder einholen
    • Kraft zur Durchsetzung: Notwendigkeit der Reform verdeutlichen; frühzeitige Unterstützung sichern; Widerstände erkennen

  • Phase 3 – Formulierung und Entscheidung:

    • Kompetenz: Vorschläge in Entscheidung einfließen lassen
    • Kommunikation: Bürgerbeteiligung und Transparenz herstellen
    • Kraft zur Durchsetzung: auf Quoren stützen; Transparenz zeigen